Immer mehr Menschen meiden Nachrichten – aus Überforderung, Misstrauen oder schlichter Müdigkeit. Neue Studien zeigen: Der Vertrauensverlust ist messbar und wächst. Für Medienhäuser ist das eine zentrale Warnlampe – und eine Chance. Wer Vertrauen als knappes Gut ernst nimmt, kann Leser:innen und Nutzer:innen wieder erreichen.

 

News Avoidance nimmt zu

Der Reuters  Digital News Report 2025 zeigt: Rund ein Drittel der Nutzer meidet Nachrichten gezielt. Die Gründe ähneln sich in Europa wie in Österreich: zu negativ, zu komplex, zu belastend. Jüngere Menschen steigen besonders häufig aus. Für Journalist:innen bedeutet das: Relevanz entsteht nicht mehr automatisch durch Veröffentlichung. Inhalte müssen Orientierung geben – nicht Überforderung.

 

Warum Vertrauen zum Engpass wird

Studien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bestätigen den Trend: Vertrauen sinkt dort, wo Nutzer Medien entweder als „zu weit weg“ oder „zu parteiisch“ wahrnehmen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach nachvollziehbarer Recherche. Entscheidend sind transparente Quellen, klare Absender:innen und erklärende Formate. Medien, die Arbeitsweisen offenlegen, schneiden in Vertrauensrankings stabil besser ab.

 

Was Redaktionen jetzt tun können

Mehr Transparenz hilft – aber sie reicht nicht. Nutzer:innen wollen einordnende, ruhige Berichterstattung. Das bedeutet: weniger Alarmismus, mehr Erklärung. Redaktionen, die komplexe Themen in klare Schritte zerlegen, gewinnen eher zurückhaltende Nutzer:innen. Hilfreich sind auch „Explainer“ und Dialogformate: Newsletter, Q&As, öffentliche Redaktionsgespräche.

Journalismus
Der Vertrauensverlust in Medien wächst. Erklären statt zu alamieren und ehrliche Kommunikation stärken die Glaubwürdigkeit.

Chancen für PR und Kommunikation

Für Kommunikationsverantwortliche verschiebt sich das Spielfeld. Glaubwürdigkeit entsteht durch Fakten und nachvollziehbare Motive, nicht durch perfekte Botschaften. Unternehmen, die Widersprüche offen ansprechen, werden eher gehört. Gute PR wird wieder leiser, klarer und informiert statt zu überreden. Konstruktiver Journalismus wächst – nicht als „Good News“, sondern als Angebot: Probleme erklären, Lösungen prüfen, Folgen zeigen. Dieser Ansatz erreicht vor allem die Zielgruppe, die Nachrichten meidet, weil sie sich ohnmächtig fühlt.

 

Fazit

Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss Nähe herstellen: durch Transparenz, klare Sprache und respektvollen Dialog. Für Journalist:innen heißt das: erklären statt alarmieren. Für PR-Profis: ehrlich kommunizieren und zuhören. Die gute Nachricht: Vertrauen ist verloren – aber nicht verspielt. Mit klugen Formaten lässt es sich zurückholen.

 

Journalistin im Gespräch

Vertrauen als Währung: Wie Medien Glaubwürdigkeit zurückgewinnen können