Salzburgs Vereine werfen ihr Lasso nach Babyboomern aus – Presseclub Salzburg „on Tour“ im Haus der Volkskulturen 

Der Presseclub Salzburg war zu Besuch im Haus der Volkskulturen. Hieronymus Bitschnau begab sich als Historiker und stellvertretender Chef des Hauses mit seinen Gästen auf Spurensuche bei Salzburgs Vereinen. Die suchen in Zeiten schwindender Zahlen an jungen Menschen künftig in den Babyboomern ihr Glück.

Das haben wir immer schon so gemacht.“ Unter diesem provokanten Titel begab sich der Presseclub Salzburg auf Exkursion ins Haus der Volkskulturen. Dort nahm Hieronymus Bitschnau als Historiker und stellvertretender Geschäftsführer des Hauses mit auf eine Reise durch die Geschichte der Salzburger Vereine. Ihren Start erlebten viele im 19. Jahrhundert als eine Art Gegenbewegung zur Industrialisierung, die viele Salzburger damals entwurzelte und in die Stadt trieb. Dort spielten sie das Landleben nach, erste Vereine entstanden.

Erste Chance für Treffen außerhalb der Zunft

Für die Menschen damals kam eine Vereinszugehörigkeit einem Paradigmenwechsel gleich. Erstmals war es zulässig, sich außerhalb der eigenen Familie, Zunft oder des eigenen Hauses mit anderen zu treffen, die dieselben Interessen hatten. „Das war für den gemeinen Mann, die gemeine Frau vorher nicht möglich, das muss man sich vor Augen halten“, führte Bitschnau in seinem kurzweiligen Vortrag vor den Presseleuten aus.

Eine einheitliche Salzburger Tracht etablierte sich übrigens erst in den 1920ern mit der Gründung zweier Verbände, die für ihre Mitglieder und Vereine in Folge Schulungen organisierten und eine Trachtenmappe (1935) herausgaben – worin sich „ein festgelegtes Konstrukt für alle, eine sogenannte Volkstracht“ fand. Mit den Journalistinnen und Journalisten entwickelte sich im Anschluss eine lebhafte Debatte über das Tradieren von Werten und ob diese Werte auch jene seien, die unsere Gesellschaft heute nötig hat.

Warum nicht Maitanz mit Hiphop?

Einige waren der Meinung, das Verbindende müsste innerhalb der Salzburger Vereine noch stärker in den Vordergrund gerückt werden, wolle man auch die jungen Leute für ein Engagement gewinnen. Warum nicht etwa das Maitanzl mit Hiphop kombinieren? Eine junge Kollegin fragte, nach welchen Kriterien Vereine in den Dachverband der Salzburger Volkskultur aufgenommen würden und ob besagter, fiktiver Hiphop-Verein allenfalls vorstellig werden müsste. „So ist es, die Entscheidung liegt dann beim Vorstand“, erklärte Bitschnau. Vieles sei in diese Richtung schon geschehen, so liege die Frauenquote in Salzburgs Musikkapellen etwa heute bereits bei über 50 Prozent. Die Vereine würden zunehmend bunter. Bitschnau sagt aber auch, der eine oder andere Verein werde noch flexibler und offener werden müssen, wolle er in zehn, 15 Jahren noch so gut aufgestellt sein wie heute.

60.000 „Vereinsmeier“ in Salzburg

Aktuell stellt das Salzburger Vereinsleben von seiner Größe und Dimension her noch zufrieden. Rund 1900 Vereine gehören unter die sechs Verbände in der Salzburger Volkskultur: Chorverband Salzburg, Salzburger Museen und Sammlungen, Salzburger Heimatvereine, Salzburger Schützenverband, Salzburger Blasmusikverband und Salzburger Volksliedwerk. Insgesamt zählen sie rund 60.000 Mitglieder.

In Boomern sieht man Potenzial

Damit das so bleibt, sucht das Haus der Volkskulturen aktuell nach Wegen und Konzepten, zunehmend auch mit den Babyboomern ins Gespräch zu kommen und selbige für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. In dieser Gruppe sehen die Betroffenen „unausgeschöpftes Potenzial“.

Die Endsilbe „-tum“ muss weg

Dem Historiker Bitschnau ist es darüberhinaus ein Anliegen, dass heute von Bräuchen statt Brauchtum gesprochen wird. Das -tum erhöhe die „Trachtensache“ und unterstreiche die Deutung in Richtung unveränderbar, starr und exklusiv. So wolle man nicht mehr wahr genommen werden. Die moderne Volkskultur sieht sich dagegen als beweglich und umfassend, auch im Sinne von inklusiv.

Presseclub Salzburg im Haus der Volkskulturen